Elternsicht- Was machen wir hier eigentlich?

9. November 2021 von

Diese Frage stellen wir uns ehrlich gesagt auch ab und zu. Warum machen wir das überhaupt? Wir investieren sehr viel Zeit in unseren Podcast und in Instagram. 

Und Zeit haben wir gefühlt nicht wirklich. 

Wir sind Eltern von zwei Kindern (Tochter 5 und Sohn 2 Jahre alt).

Vor 2 Jahren sind wir aus dem schönen Leipzig in eine nahegelegene Kleinstadt gezogen, aus der wir ursprünglich kommen und in der wir uns auch kennengelernt haben. 

Zusammen sind wir seit knapp 10 Jahren.

Wir leben hier in einem kleinen Haus, an dem es noch genug zu tun gibt und in dem es nie langweilig wird.

Wieso also Elternsicht?

Die ersten Jahre mit unserer Tochter haben wir noch vieles anders gemacht, als wir das heute tun würden. 

Ich bin unendlich dankbar dafür, dass mir eine Freundin damals ein Buch über bedürfnisorientierte Erziehung empfohlen und ausgeliehen hat. 

Für mich war das wirklich ein Wendepunkt in meinem Leben. Ich habe seither unzählige weitere Bücher gelesen, Podcast-Folgen gehört und Instagram-Profile verfolgt, die einen Prozess in mir ausgelöst haben, den ich nicht mehr stoppen kann und möchte.

Gleichzeitig wünsche mir manchmal, dass ich diese Infos, schon eher gehabt hätte.

Als wir in die Kleinstadt gezogen sind, haben wir uns in Erziehungsfragen zunächst etwas einsam gefühlt. Wir wissen jetzt wie wir unser Familienleben und unsere Beziehung gestalten wollen und setzen uns für die Rechte unserer Kinder ein. 

Das kam bisher nicht überall gut an, da wir hier manchmal auf Sichtweisen auf Kinder gestoßen sind, die wir nicht vertreten.

Wir entschlossen uns also einen Podcast zu machen und erhofften uns damit, Eltern zu erreichen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen und Impulse geben zu können, über die eigene Familie und die Beziehung zu Kindern nachzudenken. 

Wir wollen natürlich niemandem in seine Erziehung reinreden. 

Wir sind keinen Pädagogen, können also nur aus unserer Überzeugung und unseren Erfahrungen sprechen.

Wir machen nicht alles richtig. Wer macht das schon. Wir befinden uns im Prozess. 

Seitdem wir den Podcast im Oktober gestartet haben, haben wir viel dazugelernt. Über Erziehung, Beziehung und über uns selbst.

Wir wünschen uns, dass das Thema bedürfnisorientierte Erziehung auch außerhalb der Großstädte mehr Beachtung findet und Kinder als gleichwertig und richtig angesehen werden, mit all ihren Gefühlen und Bedürfnissen.

Mittlerweile hören weitaus mehr Menschen unseren Podcast und verfolgen unseren Familienalltag bei Instagram. Wir freuen uns über die Wertschätzung und jede einzelne eurer Nachrichten. 

Vielen Dank für eure Unterstützung, die uns sehr motiviert!

Auch wenn ein solches Projekt zusätzlichen Stress in eine Beziehung bringen kann (Das bleibt nicht aus), bin ich wirklich froh darüber, dass wir heute so offen über unser Leben sprechen können und im Austausch bleiben.

Perspektivwechsel

9. November 2021 von

Mir geht es nicht gut. Immer muss ich husten. Mir tut schon der Hals weh. 

Ich möchte nur bei Mama sein. Sie soll mich tragen. Ich möchte ihr ganz nah sein. Bei ihr fühle ich mich wohl. 

Sie sagt sie kann mich nicht die ganze Zeit tragen und setzt mich auf ihren Schoß. Das ist nicht nah genug! Wenn sie mich trägt, geht es mir besser. Sie soll mich tragen! 

Nebenbei spielt sie mit meiner Schwester. Ich will auch spielen, fühle mich aber zu schwach. 

Ich weine. Ich möchte doch nur ganz nah bei ihr sein! Sie nimmt mich nicht nochmal hoch und spielt weiter.

Und was ist mit mir?

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Ich muss sooo lange Zuhause bleiben. Kein Spielplatz, keine KiTa, nichts. Ich darf meine Freunde nicht sehen. Omas und Opas auch nicht. 

Auch nicht an meinem Geburtstag! 

Die Feier mit meinen Freunden findet nicht statt. Und das Geschenk, das ich bekommen habe, kann ich nur auf der Terrasse nehmen. 

Auf der Straße würde es viel mehr Spaß machen!

Ich bin traurig, enttäuscht und frustriert.

Und Mama möchte nicht mit mir spielen. Mein Bruder auch nicht. Er will die ganze Zeit bei ihr sein. Immer wird er bevorzugt. Ich will auch mal was alleine mit Mama machen! 

Aber er ist die ganze Zeit bei ihr.

Und was ist mit mir?

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Die Kinder sind Zuhause. Beide. Schon seit Tagen. Einer ist krank und braucht Nähe. Die andere ist in Quarantäne. Darf niemanden treffen, außer uns. 

Und sie will spielen. Nicht alleine, mit mir natürlich!

Ich nehme mir die Zeit, versuche für beide da zu sein. 

Ich spiele, obwohl ich schon lange keine Lust mehr habe etwas zu spielen. Sie braucht das gerade.

Ich trage den Zweijährigen. Viel länger als ich das eigentlich möchte. Er braucht das eben gerade. 

Ich bin müde. Erschöpft. Kraftlos. Ich habe die Nacht neben einem hustenden und jammernden Kind verbracht und kaum geschlafen. 

Ich bin gestresst, genervt und frustriert. 

Ich versuche auf alle Bedürfnisse einzugehen, so gut ich kann.

Und was ist mit meinen?

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Bedürfnisse abwägen ist nicht einfach. 

Mit kleinen Kindern Kompromisse zu finden und sich dabei selbst nicht zu vergessen auch nicht.